Informationen über Krankheiten und Schmerztherapie - HWS-SyndromZusammenfassung: Beschwerden, die den Halswirbelsäulenbereich
betreffen bzw. von der Halswirbelsäule ausgehen, werden unter
dem Sammelbegriff
HWS-Syndrom zusammengefasst. Weniger bekannt aber auch gebräuchlich für diese Art der Beschwerden ist der Begriff Syndrom der Halswirbelsäule. Dauern die Beschwerden länger als 3 Monate an, so spricht man von einem chronischen HWS-Syndrom. Die Halswirbelsäulenerkrankung (HWS-Syndrom) stellt eine weit verbreitete Problematik aus dem Bereich der Hals- und Rückenbeschwerden dar. Patienten mit chronischem HWS-Syndrom empfehlen wir dringend, sich mit einem erfahrenen Schmerztherapeuten in Verbindung zu setzen. Ursache(n)
Bezüglich der Ursache eines HWS-Syndrom muss zunächst zwischen einem akuten und einem chronischen Zustand differenziert werden.
Überwiegend liegen bei einem akuten HWS-Syndrom geschädigte Muskeln und deren bindegewebige Hülle (=myofasziale) Ursachen vor. Diese entstehen meist durch Verletzungen der umgebenden Muskel - und Bandstrukturen. Ein chronisches HWS-Syndrom entsteht hingegen in erster Linie als Folge von Störungen, die von der Halswirbelsäule ausgehen, d. h. Irritationen beziehungsweise Störungen der Bandscheiben oder der korrespondierenden Zwischenwirbelgelenke. Diese Irritationen können wiederum auf verschiedene Weise entstehen. Störungen im Bereich der gelenkigen Wirbelverbindungen werden dabei auch oft sog. "Wirbelblockierungen" genannt. Um Ihnen einen Überblick über die möglichen Schmerzursachen eines HWS-Syndroms zu verschaffen, haben wir für Sie nachfolgend eine Liste wirbelsäulenbedingter (=vertebragener) Zustände zusammen gestellt. Die Ursachen für Halswirbelerkrankungen können sein:
Gebräuchlich ist auch der Begriff Zervikobrachialgie bzw. Nacken-Schulter-Arm-Syndrom für ein HWS-Syndrom. Die Zervikobrachialgie, manche sagen auch Zervikobrachialsyndrom, ist ein Sammelbegriff für Störungen mit unterschiedlichen Ursachen im Bereich von Hals, Schultergürtel und der Arme. Bandscheibenvorfälle betreffen seltener den Halsbereich sondern hauptsächlich die Lendenwirbelsäule. Um eine Erkrankung der Nervenwurzeln (radikuläre Syndrome) auszuschließen, sollte im Vorfeld immer eine fachliche Abklärung durch das Fachgebiet der Neurologie bzw. Radiologie erfolgen. Bestehen heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch bedingte Fehlhaltung (Schiefhals) im HWS-Bereich, so steht hierfür der Fachbegriff „akute Tortikollis“. Symptome & EinteilungBei einem HWS-Syndrom klagen die Patienten meistens über Nackenschmerzen welche bis in die Schulter(n), manchmal bis in die Arme und bzw. oder auch in den Hinterkopf (z. T. bis zur Stirn) ausstrahlen können. In den meisten Fällen ist die Muskulatur um die Wirbelsäule verhärtet und häufig lässt sich der Kopf nur noch schmerzhaft eingeschränkt bewegen. Ein typisches Kennzeichen dieser HWS-Beschwerden ist auch eine sog. „Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Halswirbelsäule“. Abhängig von der Höhe der HWS-Störung unterscheidet man beim HWS-Syndrom (Syndrom der Halswirbelsäule) drei Varianten: a) Oberes HWS-Syndrom: Die typischen Krankheitszeichen werden in der Literatur unterschiedlich dargestellt (Kügelgen et Hillemacher 1989, Kocher et al. 1980, Dahmen et al. 1985). Gemeinsames Merkmal sind hier Nackenschmerzen mit Ausstrahlung nach oben in den Kopf, mit Störungen welche sich überwiegend auf die Nervenwurzel des 2. Halswirbels konzentrieren. Da die Schmerzeinstrahlung in den Hinterkopf, teilweise auch bis zur Stirnregion ziehen kann, kommt es auch häufig zur Diagnose eines „zervikogenen“ oder „vertebragenen“ (= wirbelsäulenbedingten) Kopfschmerz. Inwieweit die HWS-spezifische "Unkovertebralarthrose" (= Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei Wirbelkörpern) durch eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader (A. vertebralis) im sog. „Foramen intervertebrale“ (= Zwischenwirbelloch) ein zerviko-kephales (= Hals und Kopf betreffendes) Krankheitsbild verursachen kann, ist noch ungeklärt. b) Mittleres HWS-Syndrom: Bei dieser Variante treten typische Schmerzen im Bereich der Halswirbel 3, 4, 5 auf. Sie strahlen in die Schultern bzw. Schulterblätter, zum Teil auch bis über die Schulterregion hinaus. Beim radikulären Syndrom (= Krankheitszeichen infolge einer Nervenstörung, Nervenschädigung) treten dagegen die Störungen der Nervenfunktion in Form von reduzierten Empfindungen und/oder Lähmungen der Schulterblattmuskeln (z.B. M. levator scapulae) auf. Ganz selten kommt es auch zu Zwerchfellähmung (Thoden 1987). Beim radikulären Syndrom der Nervenwurzel des 5. Halswirbels ist dabei der Muskel „M. biceps brachii“ (= 2köpfiger Oberarmmuskel) konkret betroffen. c) Unteres HWS-Syndrom: Beim unteren HWS-Syndrom sind die Nervenwurzeln des 6. bis 8. Halswirbels und des 1. Brustwirbels betroffen. Deshalb können die Beschwerden vom Schulter-/Armbereich bis zum kleinen Finger hin ausstrahlen. In den meisten Fällen wird dieser Schmerzzustand als „Zervikobrachialgie" (siehe oben, Ursache(n)) bezeichnet, obwohl eigentlich das Zervikobrachialsyndrom mit einer radikulären Symptomatik (= Krankheitszeichen infolge einer Nervenschädigung, -störung) in Verbindung steht (Debrunner 1988). Die dabei auftretende pseudoradikuläre (= auf einen scheinbaren Nervenschäden zurückzuführende) Ausstrahlung in die Arme fällt aber noch unter den Begriff "Zervikalsyndrom". Bei Irritationen der Nervenwurzel des 1. Brustwirbels kann sich auch das sog. „Horner-Syndrom“ (= Augenlidsenkung, Verengung der Pupille, Zurücksinken des Augapfels) ausbilden (Thoden 1987). TherapieZur Therapie einer HWS-Erkrankung stehen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Deshalb unterscheiden wir in:
Akute HWS-Beschwerden können im Rahmen der hausärztlichen Behandlung (z. T. in Kombination mit Physiotherapie) oder der ambulanten Schmerzpraxis behandelt werden. Werden die HWS-Schmerzen chronisch sollten Sie sich unbedingt an eine erfahrene Schmerzklinik wenden. Ein längerfristiges, chronisches HWS-Syndrom erreicht irgendwann die Chronifizierungsgrade II oder III (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung meistens nicht mehr ausreichend, sondern zusätzlich müssen psychologische bzw. psychotherapeutische Interventionen erfolgen. a) Allgemeine TherapieansätzeMedikamentöse Schmerztherapie: Zunächst können beim Syndrom der Halswirbelsäule HWS-Syndrom akut und subakut (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Dazu zählen insbesondere langwirkende und magenschonende, nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), z.B. Mobec®. Als magenschonend und auch entzündungshemmend gelten auch COX-2 Inhibitoren, wie z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®). Allerdings gibt es Anzeichen dass diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden ist, zumindest bei längerer Therapiedauer: Parecoxib und Etoricoxib könnten sogar wieder vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor. Bei stärkeren, schmerzenden Muskelverspannungen können auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. Zum Teil sind aber die Schmerzzustände nur mit „zentral wirkenden Analgetika“ (= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) (z.B. Tramadol, Valoron N®) in den Griff zu kriegen. Grundsätzlich sollte aber, wie bei vielen chronischen Krankheitsbildern, auch beim HWS-Syndrom eine längerfristige Schmerzmittelverordnung vermieden werden, speziell um einer Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vorzubeugen. Die gezielte Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= eigentlich ein Mittel gegen Depression, wirkt hier aber auch) (z.B. Doxepin, Maprotilin) kann in vielen Fällen helfen die Dosis der Schmerzmittel zu verringern. Physikalische Therapie: Die klassische Elektrostimulation kann bei einem HWS-Syndrom bzw. bei Schmerzen im Nackenbereich durchaus eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich man sich als Patienten bei Bedarf selbst behandeln kann. Die selbstklebenden Mini-Elektroden werden paarig neben der Halswirbelsäule aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung individuell optimiert werden. Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit bei Nackenschmerzen ist die oberflächliche Kältetherapie. Man verwendet hierbei einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom eine Temperatur von ca. -10 bis -15 Grad C hat und den Schmerzbereich abkühlt. Einige Patienten mit einem HWS-Syndrom empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Auch Warme Bäder können HWS-Schmerzen lindern. Die Verordnung von Massagen kann gerade beim HWS-Syndrom sehr wohltuend sein, aber unter schmerztherapeutischen Aspekten sind sie nicht ausreichend. Dagegen ist die heilgymnastische Therapie unverzichtbar, denn meistens ist nur sie geeignet, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei werden die Muskeln neben der Halswirbelsäule trainiert, denn auf Dauer ist nur eine kräftige bzw. suffiziente Muskulatur in der Lage eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans zu kompensieren. Bei akuten Blockierungen hat auch die manuelle Therapie (Chirotherapie) durchaus gute Erfolge aufzuweisen. Bei schmerzhaft degenerativen (= durch Abnützung hervorgerufenen) Veränderungen der Halswirbelsäule werden auch Röntgenbestrahlung (Thomalske 1991) oder die Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) empfohlen. Andere Therapiemaßnahmen: Der Vollständigkeit halber darf gerade bei HWS-Beschwerden die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben. Wichtig sind zudem individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und zur Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus sollte der Patienten Übungen zur Lockerung der Muskulatur erlernen. Die Verordnung von Hilfsmitteln, wie z.B. die „Schanzsche Krawatte“, bleiben dem Orthopäden vorbehalten. Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie zum Beispiel autogenes Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind beim HWS-Syndrom eine sehr sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Sie führen zu einer muskulären Entspannung, ebenso wie der Einsatz von Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Bei ausgeprägten psychosomatischen HWS-Schmerzen können Psychotherapeutische Interventionen angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können. b) Spezielle Therapiemöglichkeiten unserer Schmerzklinik Unsere Schmerzklinik ermöglicht als einzige Reha-Einrichtung in Deutschland ein sog. „Multimodale Schmerztherapie“. Das bedeutet dass verschiedene Therapiebereiche für Sie maßgeschneidert aufeinander abgestimmt werden. Sie verzichten dann zum Beispiel auf bisherige Medikamente und wir kombinieren Massagen, heilgymnastische Therapie, Ernährung, Biofeedback und eine Psychotherapeutische Intervention. Des weiteren können wir dann, basierend auf diesem Konzept, weitere nebenwirkungsarme ärztliche Therapien anbieten, die zum Teil eigens von uns entwickelt wurden und auch nur bei uns im Haus wegen der hohen Spezifikation durchgeführt werden können. Im ersten Schritt passieren zunächst 3 Dinge:
Eine ausführliche Beratung ist für Sie als Patient von essentieller Wichtigkeit, denn nur wenn Sie alle Zusammenhänge kennen können Sie Ihre Krankheit verstehen (und werden von Ihrem Umfeld verstanden). Eine detaillierte Überprüfung der vorhandenen Diagnosen und eine genaue Untersuchung aller möglichen Ursachen ist dabei ebenso von entscheidender Bedeutung. Unsere Erfahrung zeigt immer wieder dass wir Zusammenhänge erkennen, die den Hausärzten oder den einweisenden Ärzten verborgen geblieben sind. Unser Vorteil ist hier einfach dass wir auf über 22 Jahre Erfahrung an Hunderten von Patienten mit HWS-Beschwerden zurückgreifen können. In Absprache mit Ihnen wird dann ein für Sie passendes Therapiekonzept von unseren Fachärzten erarbeitet. Dabei kombinieren wir, gemäß der Definition der multimodalen Schmerztherapie, verschiedene allgemeine Therapien und ergänzen diese bei Bedarf mit Instrumenten der speziellen Schmerztherapie unseres Hauses. Das Ziel unseres Hauses ist stets Ihnen Ihre Schmerzbeschwerden zu nehmen und Ihnen zu helfen den Schmerz auf lange Sicht zu besiegen. Bei anhaltenden Schmerzen sollten daher rechtzeitig alternative, weiterführende Methoden eingesetzt werden, da Medikamente auf Dauer keine Lösung sind und zum Teil ernsthafte Nebenwirkungen verbergen können. Die von uns ergänzend eingesetzten, nebenwirkungsarmen Therapien sind: 1. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden, angewendet als Infiltrative Lokalanästhesie:
2. Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockade:
Unsere grundlegende Multimodale Schmerztherapie in Kombination mit unseren ergänzenden Methoden kann nur stationär durchgeführt werden. Hierfür müssen Sie also für min. 2 Wochen zu uns kommen. Durch die mehrfach täglichen Behandlung und die Kombination verschiedener Therapiearten unterscheidet sich unser Therapiekonzept von allen anderen uns bekannten Ansätzen. Unsere langjährige Erfahrung hat schließlich gezeigt dass mit dieser Methodik auch bei chronischen Schmerzen höchster Chronifizierungsgrade eine andauernde Schmerzfreiheit wieder erreicht werden kann. Aufgrund des nebenwirkungsarmen Charakters unseres Konzepts besteht für den Patienten zudem ein allenfalls geringes Risiko. Fazit: - Sie können nur gewinnen. |
| Quellen:
Schmerzklinik Bad Mergentheim
: „Ambulante und Stationäre Therapie chronischer Scherzen“ |